humanmonitoring

Concept / Themenfindung

Diplomarbeit: Sebastian Glaeser | Prüfer Prof. Erich Schöls | Zweitprüfer Prof. Braun
UNIVERSITY OF APPLIED SCIENCES. WUERZBURG. 2006
Den Begriff "Human Monitoring" genau zu definieren ist recht schwierig. Es gibt nicht das Human Monitoring. Es handelt sich dabei allgemein definiert um die Erhebung der vom menschlichen Körper erzeugten Daten. Der Mensch als System "produziert" eine Vielzahl von Daten, die gemessen und verarbeitet werden können. Wie zum Beispiel: Körpertemperatur, Blutdruck, Puls, EEG, EKG, Atmung, Glukosegehalt des Blutes, Galvanic Skin Response GSR (Hautwiderstand), Biofeedback, Neurofeedback ... .

Aus den gewonnenen Daten lassen sich dann im zweiten Schritt beispielsweise Rückschlüsse auf den derzeitigen Zustand des menschlichen Körpers schließen. Angewandt wird dieses Monitoring bisher in 90% der Fälle zur Anamneseunterstützung bei bestimmten Krankheitsbildern. Dies sind dann meist Langzeituntersuchungen von Blutdruck und EKG (meist 24 Stunden) und EEG. Andere, neue Anwendungen überwachen auch mehrere Vitalzeichen. Diese auch "Live Shirt" genannten Systeme sind wie viele Innovationen in diesem Bereich eine Entwicklung des Militärs: es kann die derzeitige Fitness des Soldaten auf die Ferne abgefragt, und sogar Verletzungen Lokalisiert werden. Es gibt ein paar Hersteller, die diese Systeme auch auf dem Privatmarkt verkaufen, dort scheint es mir aber eher ein Tool für "Hypochonder" zu sein, die den Zustand ihres Körpers immer von einem Arzt überwacht wissen wollen. Es gibt nur wenige wirklich interessante wissenschaftliche(!) Arbeiten zu diesen Themen, vor allem wenn es um deren Visualisierung geht. Denn es geht meist nur um Innovation in der Technik, die Miniaturisierung von Sensoren, um Datenübertragung und Netzwerkstrukturen. Es ist sicherlich richtig, dass diese Bereiche ihre Berechtigung haben und für die gewünschte Bedürfnisserfüllung des Mediziners oder Patienten richtig ist - wenn es sich zum Beispiel um Ferndiagnostik (Telemonitoring) oder Patientenüberwachung handelt. Ich will aber denn Begriff "Human Monitoring" für mich anders definieren und vielmehr erweitern. Zu dieser Definitionserweiterung nehme ich außerdem ein Feld hinzu, welches als Bio-Monitoring bezeichnet wird:
Der Mensch ist zur Wahrnehmung seiner Umwelt mit fünf Sinnen ausgestattet, die ihm die Orientierung in der Natur mit ihren Angeboten, Gefahren und Risiken ermög- lichen: sehen - hören - fühlen - riechen - schmecken.
Er nutzt diese Sinne speciesspecifisch mit anderer Gewichtung und Sensitivität als andere Lebewesen. Bei Hunden beispielsweise steht der Geruch und das Gehör im Vordergrund, sie sehen aber schlechter. Der Mensch hat zum Beispiel keinen Sinn für die Wahrnehmung elektromagnetischer Felder, wie ihn beispielsweise die Fleder- maus hat. Die Sinnesausstattung des Menschen, die ihm bisher das überleben sich- erte, ist nicht geeignet, einige der modernen Umweltfaktoren warzunehmen. Neben den elektromagnetischen Wellen sind dies zum Beispiel viele Arten von Strahlung und viele giftige Chemikalien die weder schmecken noch riechen. Umwelteinflüsse haben einen direkten Einfluss auf die Gesundheit des Menschen. Die Messung dieser Umweltfaktoren wird als Bio-Monitoring bezeichnet. Daten die über die Umwelt er- hoben werden können sind unendlich. Die wichtigsten für meine Untersuchung sind vielleicht: Außentemperatur, Strahlung, Lautstärke, Luftzusammensetzung... . Eine elektronische Speicherung und Bündelung dieser Umwelteinflüsse könnte auch als die Erweiterung der Menschlichen Sinne um einen Elektronischen verstanden und bezeichnet werden.
Das Umweltbundesamt definiert folgendermaßen: Umwelt-Monitoring ist die Sys- tematische Messungen von Stoffkonzentrationen oder physikalischen und biologi- schen Faktoren in Umweltmedien (Wasser, Boden, Luft), Lebensmitteln und Gegen- ständen des täglichen Bedarfs, wobei die Messungen entweder einmalig oder aber wiederholt (z. T. regelmäßig) durchgeführt werden und hauptsächlich zum Zwecke der Beobachtung und Überwachung von Belastungssituationen erfolgen.  Das Bio-Monitoring wird schon recht intensiv im Alltag eingesetzt, wenn zum Bei- spiel Schadstoffbelastungen im Wohnbereich analysiert werden sollen, da viele Schadstoffe allergieauslösend oder sogar gesundheitsschädlich sind. (Leider habe ich im zuge meiner Rechere in diesem Zusammenhang noch keine Technik (Sensorik) gefunden, mit welcher man "Pollen Monitoring" betreiben könnte, denn damit wären wohl spannende Systeme möglich.)