Information wird dann zu verwertbarem Wissen, wenn der Rezipient deren Bedeutung zu verwerten weiß. Jeder mediale Informationsträger ist in irgendeiner Form syntaktisch strukturiert und darauf ausgelegt, nach seine Decodierung dem Empfänger einen Mehrwert zu bieten.
In vielen Fällen bestehen solche Inhalte aus Informationen, die nach gewissen
Filterregeln dem Wissenspool des Empfängers hinzugefügt werden.
Dieses Wissen kann nun bewertet werden und es können Reaktionen und
Handlungen daraus resultieren. Medien werden so zu kommunikativen
Mittlern zwischen einem Ist-, und einem möglichen Sollzustand.
In der Evolutionsgeschichte der "Informationsmittler" hat sich die Wahrnehmung
des Menschen immer an das jeweilige Medium angepasst, sodass
sich spezifische Informationscodierungen etablierten.
Die digitale Informationsverarbeitung macht es noch deutlicher, dass Medien
etwas sichtbar machen können, was physikalisch so nicht möglich
ist. Die virtuelle Realität schafft daher Informationsräume welche durch
ihre Multidimensionalität ganz neue Möglichkeiten der Wahrnehmung,
Kommunikation und durch ihre Dynamik auch Interaktion bietet.
Viele Informationen erfahren durch ihren Ortsbezug einen maximalen
Mehrwert. Google Earth hat die Orts-Information als erstes populär gemacht.
Seither sind Begriffe wie Geotagging, Mapping und mobile Navigation
Bestandteil der täglichen Informationsbeschaffung. Die Orientierung
und Navigation im Raum wurde dadurch nicht nur erheblich erleichtert,
sondern viele Inhalte können in Folge dessen wesentlich schneller und
intuitiver erfasst werden.
Virtualität hebt den realen Raum nicht auf, wir bewegen uns noch immer
in einer realen Umgebung. Eine ideale Kombination dynamische, virtuelle
Informationen mit Ortsbezug begreifbar zu machen ist es, die Realität um
diese Elemente zu erweitern.
Mixed Reality wird daher die nächste evolutorische Stufe in der medialen
Entwicklung bilden. Informationen werden exakt dort sichtbar und wahrnehmbar
gemacht wo sie benötigt werden oder entstehen.
In dieser Arbeit steht der Mensch im Zentrum der Auseinandersetzung
verorteter Informationen, denn viele medizinischen Werte, werden in ihrem
Ortsbezug wesentlich präziser interpretierbar.
Der Mensch als Rezipient äußerer Einflüsse und Wahrnehmungsparameter
steht während seiner Bewegung im Raum in einem andauernden Wirkungsgefüge
zwischen Körper und Umwelt. Dies können umweltbiologische,
klimatische, topologische oder auch soziologische Wechselwirkungen
sein.
Die sensorische Erfassung dieser Informationen kann durch korrelativ
Darstellung kausale Zusammenhänge aufzeigen. Diese Arbeit versucht
durch die verortete Visualisierung dieser menschlichen "Datenaura" in
der erweiterten Realität Wahrnehmungsprozesse zu optimieren. Unterstützt
wird dieses System durch einen in die Realität projizierten Avatar,
der als digitales Pendant eine direkte Feedbackkomponente meines persönlichen
Zustandes bildet.
Alle Zustände werden ortsbezogen "eingefroren" und abgespeichert. So
kann der Mensch neben der Echtzeitlichen Betrachtung durch Rückblick
seinen eigenen Systemverlauf verortet und verzeitlicht abgehen und ablesen.
Zur Nachbetrachtung sind diese Informationen zusätzlich in einer virtuell
simulierten Realität abrufbar und interpretierbar.
Die entstandene Applikation ist als Prinzipskizze zu sehen. Je nach Anwendungsart
und Art der gemessenen Werte können sich unterschiedlichste
Einsatzgebiete ergeben. Das Spektrum reicht über den medizinischen,
sportlichen und umweltbiologischen Einsatz bis in automotive Bereiche
oder zur Optimierung von Raumforschungsprozessen.